Wann ist man pflegebedürftigt?

 

Für die Beurteilung der Pflegestufe wird der Zeitaufwand für die Pflege ermittelt.

Diese Beurteilung richtet sich nach den verschiedenen Hilfeformen, die im Rahmen der Pflege geleistet werden können.

In dieser Übersicht finden Sie die verschiedenen Hilfeformen und die jeweilige Bemessung des Zeitaufwands.

 

Hilfeformen und Zeitaufwand

 

Die Hilfeform „Unterstützung“
Inhalt der Hilfe: notwendige Utensilien müssen nur bereitgestellt oder vorbereitet werden, der Pflegebedürftige

führt Verrichtungen selbstständig durch.
Beispiele: Bereitstellen des Rollators; Bereitstellen von Waschwasser und Waschlappen, damit der Pflegebedürftige

sich waschen kann (selbstständig); Bereitlegen von Kleidungsstücken
Bewertung des Zeitaufwands: Die Unterstützung beschreibt kleine Hilfestellungen, die im Regelfall für das Erreichen

einer Pflegestufe kaum ins Gewicht fallen. Ergänzend zu anderen Hilfeformen kann sie aber eine entscheidende Rolle haben.

 

Die Hilfeform „Teilübernahme“
Inhalt der Hilfe:
direkte Hilfe bei der Durchführung einer Verrichtung. Der Pflegende übernimmt einen Teil der

Verrichtungen des täglichen Lebens, die der Pflegebedürftige nicht selbst ausführen kann. Bei teilweiser Übernahme

kann eine zum Teil selbstständig erledigte Verrichtung vom Pflegenden vollendet werden.
Beispiele: Bei Demenzpatienten kann eine Teilübernahme dann erforderlich sein, wenn der Erkrankte von der Verrichtung

wiederholt abschweift oder die Verrichtung trotz Anleitung zu langsam und umständlich ausführt.

Eine Teilübernahme kann dann bedeuten, dass der Pflegende das Waschen übernimmt, da das Risiko des Auskühlens besteht. 
Bewertung des Zeitaufwands: Bei der teilweisen Übernahme ist der berücksichtigte Zeitaufwand höher als bei der Unterstützung.

Auch bei Anleitung und Beaufsichtigung können Teilübernahmen eine Rolle spielen.

 

Die Hilfeform „Beaufsichtigung“
Inhalt der Hilfe: Die Sicherheit des Pflegepatienten bei einer Verrichtung steht hier im Vordergrund.

Ein zweiter Aspekt ist die Kontrolle, ob Verrichtungen sinnvoll durchgeführt werden.

Für die Beurteilung der Pflegestufe ist wichtig, ob Beaufsichtigung, Überwachung und / oder Erledigungskontrolle

bei den Verrichtungen notwendig sind. Einfache Kontrolle, ob eine Verrichtung überhaupt ausgeführt wird und

gelegentliches Auffordern werden bei dieser Hilfeform nicht berücksichtigt.
Beispiele: Beaufsichtigung beim Rasieren, wenn es durch unsachgemäße Benutzung des Rasierapparates zu einer

Selbstgefährdung kommen könnte.
Bewertung des Zeitaufwands: Beaufsichtigung bindet die Pflegeperson zeitlich und örtlich so, als ob sie die Hilfen direkt

ausführen würde. Eine notwendige Beaufsichtigung führt daher zu einem relativ hohen Zeitaufwand. 

 

Die Hilfeform „Anleitung“
Inhalt der Hilfe:
Für eine Verrichtung muss der Ablauf der einzelnen Handlungsschritte oder der ganze Handlungsablauf

angeregt, gelenkt oder demonstriert werden. Das ist notwendig, wenn der Pflegepatient zwar die motorischen Fähigkeiten

für die Handlung besitzt, sie aber nicht in einem sinnvollen Ablauf durchführen kann. Auch das Motivieren des Pflegebedürftigen,

die Verrichtungen selbstständig durchzuführen, gehört zu dieser Hilfeform.
Der Pflegepatient soll aktiv bleiben und Verrichtungen selbst durchführen. Der Pflegende soll ihn im Rahmen der Anleitung

dazu anregen, dies im für ihn notwendigen Umfang zu tun.
Bewertung des Zeitaufwands: Die selbstständige Erledigung von Verrichtungen soll sichergestellt werden,

indem der Pflegebedürftige im individuell notwendigen Umfang dazu angeregt wird. Dieser Aufwand kann sehr unterschiedlich sein,

und von einer einfachen Aufforderung bis zur Notwendigkeit der ständigen Anwesenheit des Pflegenden reichen.

Das ist der Fall, wenn auch kleine Einzelschritte oder der ganze Vorgang gelenkt werden müssen, oder die Demonstration

des Vorgangs erforderlich ist. Der Zeitaufwand für die Anleitung ist recht hoch.

 

Die Hilfeform „Vollständige Übernahme“
Inhalt der Hilfe:
Diese Hilfeform liegt vor, wenn der Pflegebedürftige alle Verrichtungen nicht mehr selbst ausführen kann,

und sie vom Pflegenden ausgeführt werden müssen. Dies sollte allerdings nur erfolgen, wenn der Pflegebedürftige keinen

eigenen Beitrag mehr zur Verrichtung leisten kann.
Bewertung des Zeitaufwands: Die vollständige Übernahme ist bei der direkten Hilfe die zeitlich aufwendigste Form,

und kommt nur infrage, wenn der Pflegebedürftige nicht mehr in der Lage ist, die Verrichtung selbst auszuführen.